Karma! Von der Vergangenheit eingeholt.

Und dies sogar nach 42 Jahren!

Beim Karma kommt alles wieder zu Dir zurück.

Hallo aus Uruguay,

gestern hat mich meine Vergangenheit eingeholt. Ein dunkler Punkt auf meiner sonst eigentlich recht weißen Weste welche ich habe. Diesen hatte ich aber geistig immer noch nicht abgeschlossen, denn das was passierte kann man zwar verdrängen aber niemals vergessen. In so fern war es gut, dass dieses Karma zugeschlagen hat und mir endlich die, mir bis gestern verwehrte, Möglichkeit gab mich für das Geschehene zu entschuldigen.

Vor 42 Jahren war ich noch ein junger Mann von gerade Mal 21 Jahren und Zwangssoldat bei der Bundeswehr. Damals, es war das letzte Wochenende unsrer Dienstzeit, trafen wir uns letztmalig in der Stadtdisko bevor wir uns zum letzten Mal zur Kaserne auf machten. Ich war damals mit meinem eigene Auto unterwegs und nahm, da der Weg ziemlich weit war, einen Kameraden mit. Auf den letzten Metern in der Stadt, auf gerader aber nasser Strecke verlor ich die Kontrolle über meinen Wagen und tuschierte mit diesem eine Ziegelsteinmauer eines dort stehenden Hauses. Dann lenkte ich mein Fahrzeug auf ein gegenüber und brachliegendes Grundstück auf dem ich den Wagen ca. 50-60 Meter ausrollen ließ. Als der Wagen dann still stand waren meine ersten Worte: “ Da haben wir nochmal Glück gehabt“ erst dann viel mir auf, das mein Beifahrer nicht mehr auf seinem Platz saß.

Meine erste Reaktion war, auszusteigen und nach meinem Kameraden zu suchen. Ich musste nicht sehr weit laufen, denn er lag mit seinen Füssen in Höhe meiner hinteren Stoßstange, also ca. 50 -60 Meter von der Mauer entfernt. Entweder war er unglücklich hinaus gefallen, weil er nicht angeschnallt war oder er hat sich selbst hinausgestürzt.

Auf alle Fälle fiel er beim hinausfallen mit der Stirn auf einen wohl spitzen Stein, der ihm die Schädeldecke einschlug, sodass sein Gehirn austrat. Der sofort herbei gerufene Krankenwagen brachte ihn dann ins Krankenhaus wo er einige Tage später seinen schweren Verletzungen erlag.

Natürlich was auch die Polizei vor Ort und prüfte auch meinen Alkoholpegel an dem aber nichts zu beanstanden war. Trotzdem bekam ich eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung in der ich von dem Vorwurf freigesprochen wurde. Ich musste allerdings eine recht hohe Zahlung an eine Kinderheim leisten.

Wie es zu dem Unfall kam, kann ich auch heute nach ca. 42 Jahren auch nur vermuten. Entweder es war Aquaplaning oder aber, was ich heute fast mehr vermute, mir ist ein Hinterreifen geplatzt  welches zum sofortigen Ausbrechen des Fahrzeuges führte.

Warum nun Karma?

Nun gestern erreichte mich eine Anfrage einer Frau auf Facebook ob ich das bin der damals diesen Unfall hatte. Es stelle sich heraus, das es die jüngere Schwester des leider verstorbenen Kameraden ist. Sie hatte niemals die Gelegenheit mit mir über den Unfall zu sprechen und wollte von mir wissen was wirklich war. Mir persönlich war nicht bekannt, dass der Kamerad, aus einer anderen Einheit in der gleichen Kaserne, eine Familie hatte. Niemand hat mir dieses mitgeteilt, nicht Mal seinen Nachnamen kenne ich. Ich war also davon ausgegangen, dass er wohl alleine war. Selbst bei der Gerichtsverhandlung war niemand von der Familie anwesend bei dem ich mich hätte entschuldigen können.

Nun aber weiß ich nach 42 Jahren, dass er nicht alleine war und durch den Unfall aus einer sogar recht großen Familie gerissen wurde. Wir, also seine Schwester und ich, haben uns dann sehr lange und ausführlich über den Unfall und vieles weitere unterhalten. Ich konnte mich endlich entschuldigen und einige Ungereimtheiten, welche Dritte ihr zugetragen hatten, aus dem Weg räumen. Diese Dritten welche nicht dabei waren wissen natürlich immer mehr als ich der Beteiligte selbst weiß. Von einem 2. Beifahrer war die Rede den es definitiv nicht gab. Gerüchteküche eben.

Jetzt bin ich dankbar, dass sich die Schwester gemeldet hat. Nun kann auch ich nach 42 Jahren den schrecklichen Vorfall für mich selbst abschließen. Auch der Schwester geht es nun hoffentlich besser, denn sie weiß nun was wirklich passierte.

Warum ich dieses nun öffentlich machen?

Um zu zeigen, das ich zu meinen Fehlern, welche geschehen sind, stehe und um die Existenz von Karma unter Beweis zu stellen. Denn nichts anderes ist es wenn einem nach so lange Zeit ein zwar verdrängtes, aber niemals abgeschlossenes Ereignis, so urplötzlich wieder in Erscheinung tritt. Dies sogar in einer Entfernung von ca. 11000 Kilometern.

Trotz alledem muss ich noch etwas zum Schmunzeln beitragen.

Wenn man eine Anfrage erhält, Sind sie der und der aus dem Jahr 1977 und einem Ort wo man definitiv war. Da gehen einem schon einige Gedanken durch den Kopf. Man schaut sich das Foto der Anfragenden an und man denkt nach, was war damals, was hast Du vergessen. Letztendlich waren wir ja auch keine Waisenknaben. Mein erster Gedanke war: „Werde ich jetzt etwa nochmals Vater?“  :mrgreen: 

So spielt eben das Leben. So funktioniert Karma. Jetzt nach 42 Jahren kann ich dieses Kapitel für mich persönlich abschließen. Vergessen aber kann man so etwas nie. Es ist Gegenwärtig wie am Tag des Geschehens.

Welche höheren Mächte haben uns damals so böse mitgespielt?

Dies Frage werde ich niemals beantworten können. Fakt aber ist, dass mir dieses damalig Ereignis bei all meinen vielen Fahrten im zukünftigen Leben im Hinterkopf blieb und somit für eine verstärkte Sorgfalt und Vorsicht sorgte, denn aus Fehlern lernt man, selbst wenn man sich eigentlich keiner direkten Schuld bewusst ist und der böse Zufall für dieses Ereignis zuständig war.

stolz sein

Auch wenn nicht Alles im Leben stolz macht sollte man es trotzdem auf sich sein!

Danke nochmals an die Schwester welche nach so langer Zeit immer noch hartnäckig nach den Antworten suchte die sie nun erhalten hat.

Nachdenkliche und erleichterte Grüße aus Uruguay

Peter

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