Arm aber glücklich!

Materielles ist nicht das was zufrieden macht.

Rückblick auf 10 Jahre Uruguay.

Hallo aus Uruguay,

im letzten Artikel erzählte ich Euch von den kalten Nächten in meiner neuen Hütte. Es war ja Winter, die Temperaturen Nachts ca. 0-5 Grad und tagsüber vielleicht 12-14 oder mal kurz drüber, also nicht wirklich was zum aufwärmen. 2 Trainingsanzüge, doppelte Socken Unterhemd und T-Shirt sowie ein Pullover waren da das Mindeste was ich anziehen musste um den Tag, nicht frierend, zu überstehen. Für ne Heizung hatte ich natürlich keine Geld und eben auch kein Heizung. Die Hütte selbst mit Holz und Rigips Wänden sowie einfacher Verglasung hielt natürlich keine Temperatur. Auch waren die Fenster und Türen alles andere als dicht.

Das schlimmste aber waren die kalten Hände.

Nachdem ich ein paar Tage nach meinem Einzug dann auch endlich eine Internetleitung gelegt bekam konnte ich wieder online gehen. Somit saß ich fast den ganzen Tag am PC was auch nicht gerade wärmt.

Walter kam und wollte unbedingt das N97 von dem ich schrieb kaufen.

Nun dafür bekam ich von ihm einen Kühl und Gefrierschrank. Eine Gasflasche, einen Kochtopf, 2 Teller und etwas anderes Geschirr. Er brachte mir auch eine Gasheizung mit damit ich mir wenigstens ab und an mal etwas warm machen konnte. Dazu, ich konnte es damals kaum fassen, ein richtiges Bettgestell für meine Matratze. Ich finde auch heute noch, dass dies ein faires Geschäft war. Auf alles Fälle stieg meine Lebensqualität um viele Prozentpunkte.

Mit dem wenigen Geld welches ich noch hatte, ich glaub es waren keine 100,–€ mehr zu diesem Zeitpunkt, ging ich dann die 2 Kilometer in den Ort um für mich etwas einzukaufen. Am Abend konnte ich mir eine warme Erbsensuppe aus der Tüte zubereiten. Die war so lecker, besser als ein 5 Gänge Menü in einem exklusiven Restaurant zu diesem Zeitpunkt.

Und so lebte ich einsam und alleine die Wintermonate in meiner neuen Hütte.

Zu meinen Nachbarn bekam ich dann auch Kontakt , was auch gut so war, denn mal ganz ehrlich, wer weiß schon in einem neuen Land wie dort alles funktioniert? Wie geht das mit dem Müll zum Beispiel. Oder Probleme mit dem Internet, dem Strom usw. wie und wo regelt man das Ganze. Mein Spanisch war immer noch nicht so, das ich mich zu telefonieren traute. Doch meine Nachbarin war da sehr geduldig und hat mir alles erklärt und auch den einen oder anderen Anruf für mich erledigt. Es entwickelte sich mit der Zeit eine Freundschaft welche bis heute besteht.

Dann wurde es so langsam Frühling und mein Leben änderte sich schlagartig.

Meine damalig Einwanderungshelferin rief mich an und fragte mich: „Hey Peter, Du lebst doch jetzt alleine, willst Du nicht einen kleinen Hund haben? Wir haben gerade einen süßen gefunden der auf eine Müllkippe lebt. Da dachten wir an Dich“

welpe puck

Ein kleines undefinierbares Etwas.

Und ehrlich, ja ich war auf der Suche nach einem Hund und das kam mir gerade gelegen. Somit sagte ich ja und wartete bis sie mir den Hund brachten.

Ich lief zur Strasse und erwartete das Auto, sie wussten ja nicht genau wo ich nun lebte. Dann kamen sie, und ich stieg hinten ein, der Hund vielleicht 8-10 Wochen alt, es war ein Irgendwas und undefinierbar was es mal geben wird, kam direkt zu mir als ob er wüsste, dass ich nun für den Rest seines Lebens an seiner Seite bin. (Heute weiß ich, dass Hunde dafür ein Gespür haben)

Ich nannte diesen Hund Puck.

Puck? Ja ich dachte in diesem Moment an die Biene Maja und die Stubenfliege Puck, weil er mir ja förmlich zugeflogen ist. Puck musste natürlich erst einmal gewaschen werden, denn er kam direkt von der Müllkippe. Das hat ihm zwar nicht so gut gefallen aber letztendlich blieb ihm nichts anders über.

schlafender puck

Der kleine Puck liebte es bei mir im Arm zu schlafen.

Das Wichtigste, ich war nicht mehr alleine und hatte jemanden mit dem ich deutsch sprechen konnte. Er lebte sich prima ein, das wenige Essen haben wir uns geteilt und ab und an fing er sich draußen was um seinen Speiseplan zu verbessern.

Puck lebt heute immer noch bei und mit mir.

So tröpfelte das Jahr 2010 dem Ende entgegen. Weihnachten und Neujahr verliefen sehr ruhig. Etwas TV aus dem Download und ansonsten früh schlafen gehen. Es war mittlerweile Sommer, die Hütte stand im Schatten und es war auszuhalten. Mein Freund zahlte brav jeden Monat meine Miete und überwies mir noch monatlich einen kleinen Betrag damit ich Strom und Internet bezahlen konnte. Zum Leben blieben vielleicht 100-150,–€. Und ja, man konnte zu dieser Zeit damit auskommen. Natürlich gab es nur das Günstigste und auch nichts Besonderes. Das aber war auch gar nicht wichtig. Man lernt das Wenige was man hat zu schätzen. Wichtig war das Gefühl frei zu sein und in Frieden leben zu können. Gehungert habe ich niemals. Wenn die Kasse ganz knapp war, gabs halt Brot mit Magarine und vielleicht etwas Salz drauf. Getrunken wurde Wasser, das kostete ja nichts.

Wäsche waschen musste ich im Ort, da betreibt auch heute noch eine Frau ne Wäscherei. Alles habe ich zu Fuß erledigt und wenn ich in die Nachbarstadt musste weil es dort mehr gibt als hier im Ort, dann fuhr ich mit dem Bus. Selbstverständlich mit dem aus der Gegend und nicht mit dem Überlandbus, denn der war 10 Pesos billiger. Ja man lernt tatsächlich wieder auf den Peso zu achten.

Übrigens war das Jahr 2011 dann die Zeit wo ich meine Domains www.uru-guru.de und www.auswandern.uy, damals aber noch als aus-wandern.de aufmachte. Sozusagen die Geburtsstunde vom Uruguru.

uru 2011

Ein Bild vom Frühling 2010. Die Sonne kam und der Bart musste weichen. Man sieht deutlich die noch sehr kahle Hütte.

Warum Uruguru?

Nun ich suchte nach eine passenden Domain wo „uru“ vorkommt. Uru wahr natürlich schon besetzt. Egal ob „de“ oder „com“ und „Andere“, aber uru-guru war halt noch frei. Auch andere Buchstaben anstatt des „G“ waren noch zu haben. doch bitte wie klingen die? uru-turu oder zuru oder was weiß ich noch alles. Also Guru. Hat als nichts mit einem Guru zu tun gehabt. Denn ich bin alles Andere als so Einer. Es wahr reiner Zufall. dazu liebe ich diese Palindrome, so werden sie genannt, die Wörter welche von vorne oder hinten den gleichen Sinn ergeben. Otto zum Beispiel oder Regallager, Rentner, 69 und 88 sowie eben der UruGuru.

So verlief das Jahr 2011 und 12 in sehr ruhigen Bahnen, ich versuchte Geld zu verdienen und wahr mir auch nicht zu schade ab und an bei Anderen für kleines Geld den Windows PC zu entmüllen und aufzuräumen. Die Ruhe und die Natur waren Balsam für mein Seele. Dazu die Liebe von Puck. Ich war eigentlich sehr zufrieden.

Erst 2013 änderte sich mein Leben wieder schlagartig.

Davon dann mehr im nächsten Artikel.

Danke fürs lesen.

Liebe Grüße aus Uruguay

Peter

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